Rémy Zaugg: Gesammelte Schriften

Texte, Briefe, Vorträge, Gespräche

hrsg. von Eva Schmidt, Museum für Gegenwartskunst, Siegen
10 Bände mit zusammen 3.344 Seiten, 274 farbige und 629 s/w Abbildungen
jeder Band wird durch die Herausgeberin einzeln ausführlich erläutert, Bd. 10 enthält zudem eine komplette Werkchronik sowie ein vollständiges Ausstellungsverzeichnis samt Bibliografie
Format 24 x 17 cm, 10 Bd. in Broschur in stabiler Kassette

ISBN 978-3-86442-170-9

zur Subskription bis zum 31.12.2016
danach 148,00 Euro
 

98,00 €

Rémy Zaugg Maler

Rémy Zaugg (1943­–2005), geboren in Courgenay im Schweizer Jura, lebte und arbeitete in Basel und Mulhouse. Er war – wie er gern betonte – vor allem Maler. Allerdings motivierten ihn schon früh grundsätz­liche Fragen zur ästhetischen und ethischen Begründung von Wahrnehmung – in Bezug auf Bilder, später Museen und Ausstellungen, Architektur und Stadt – zu schriftlichen Äußerungen. Sein erstes großes Projekt war die kartografische Übersetzung der Reproduktion eines Cézanne-Gemäldes, die er noch als Student in den 1960er Jahren unternahm. Es war eine ungewöhn­liche Form der Übersetzung synoptischer Bildwahrnehmungen und momentaner Beob­achtungen in Begriffe und Notationen, und das in immer wieder neuen An­läufen. Darauf ­folgten verschiedene Kooperationsanlässe für Projekte und gemeinsame Texte mit dem Ethnologen Jacques Hainard. Nach der großen Einzelausstellung im Kunstmuseum Basel 1972 erkannte Rémy Zaugg ein großes Unverständnis aufseiten des Publikums. In der Folge zog er sich zurück und begann die Arbeit an dem umfangreichen, bislang unveröffentlichten 500seitigen Manuskript »Du même à l’incertain« (1972–76; Bd. 2: »Vom Selben zum Ungewissen«) – eine spannende Auseinandersetzung mit den impliziten Annahmen der konventionellen Druck­grafik und dem Ziel ihrer Dekonstruktion; sodann thematisch eng mit diesem Text verknüpft die Publikation »Die List der Unschuld«, eine umfassende Analyse der »Six Steel Boxes« von Donald Judd im Kontext des Basler Kunstmuseums. Seitdem reflektierte Zaugg kontinuierlich schriftlich über die eigenen malerischen Projekte sowie die künstlerische Haltung und Arbeitspraxis. In den 1980er Jahren gesellten sich die Fragen zur Kunst im ­öffentlichen Raum und zur Museumsarchitektur hinzu; in den 1990er Jahren boten verschiedene Kooperationen mit den Architekten Herzog & de Meuron Gelegenheit zur schriftlichen wie mündlichen Beschäftigung mit Architektur. Dabei spielte stets die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber bei Zaugg eine wesentliche Rolle: ob nun mit den Kunstwerken ­anderer Künstler (Cézanne, Judd, Giacometti), in der ­kuratorischen Arbeit für den Künstler Balthasar Burkhard, in den Gesprächen mit dem Schrift­steller und Zeichner Pierre Klossowski, dem Kurator Jean-Christophe ­Ammann und dem Genfer Sammler Jean-Paul Jungo. Die Form der Gespräche, etwa auch mit Herzog & de Meuron, spielten mit dem Rollenwechsel: Zaugg wurde von ­diesen auf klassische Weise interviewt, suchte aber selbst das Gespräch und die Begegnung mit den ­Menschen, mit denen er auch gemeinsam Projekte ­realisierte. Zudem wählte Zaugg wiederholt die Briefform, um seine Überlegungen in kommunikativen Situationen zu verorten (an die Museumsdirektoren Edy de Wilde, Suzanne Pagé oder Dominique Bozo, den Galeristen Claes Nordenhake u. a.). Fragen der Malerei, ihre propädeutische Funktion für die Gestaltung der Welt – auf der Suche nach der vorurteilsfreien Existenz des Menschen –, blieben, welche Textform Rémy Zaugg auch immer wählte, sein bestimmendes Thema.

Ausstellungen:
Museum für Gegenwartskunst Siegen, 1/11/2015–6/3/2016
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, 7/4–28/8/2016