Boris Becker: Bunker 1984–89

Kat. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Cologne; Saarlandmuseum – Moderne Galerie, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarbrücken

Texte (dt./eng./franz.) von Roland Augustin, Marcel Beyer, Gabriele Conrath-Scholl
352 S. mit 850 Abbildungen in Duotone und 45 in Farbe
Format 27,5 x 22,5 cm, Hardcover

ISBN 978-3-86442-289-8
 

68,00 €

700 Bunker in mehr als 40 westdeutschen Städten

Künstler- und Archivbuch zugleich, beleuchtet diese Publikation einen wichtigen und auch bewegenden Aspekt der deutschen Geschichte. Gezeigt werden die unterschiedlichsten Typen von Hochbunkern, gebaut insbesondere im Zweiten Weltkrieg 1940–1944 und fokussiert in der Zeit 1984–1989 vom Künstler und Photographen Boris Becker. Als er sein ­dokumentarisches Vorhaben begann, war die Zeit des Kalten Kriegs fast beendet, die Betonbauten wurden schrittweise aus der Zivilschutz­bindung entlassen. Mehr noch als früher wirkten sie als Fremdkörper und unheimliche Ungetüme im Stadtbild; ihre Funktion schien aus der Zeit gefallen, und kein vernünftig denkender Mensch wollte mehr mit der durch sie in Erinnerung gerufenen mörderischen Ideologie zu tun haben, die die Bauten entstehen ließ. »Nie wieder Krieg!« heißt ein Graffiti auf einem der von Boris Becker aufgenommenen Bunker. Blicken wir auf seine sachlich registrierenden Bilddokumente, so begegnen wir nicht allein eigenwillig monströsen Betonbauten, sondern erfahren auch, welches Ausmaß die diesbezüglichen Bau­aktivitäten im Zweiten Weltkrieg besaßen. Rund 700 Bunker in weit über 40 westdeutschen Städten hat Boris Becker photographiert. Der Werkreihe der Hochbunker hat Boris Becker eine Methode zugrunde gelegt, die dem konzep­tuelen Ansatz des Künstlerpaars Bernd und Hilla Becher verwandt ist. Die Vergleichbarkeit der Bilder ist ebenso beabsichtigt wie ein neutraler Blick­winkel und eine detailgenaue und authentisch-adäquate Darstellung des Baukörpers. Das Bilderkonvolut vermittelt einen exemplarischen Blick auf ein Sujet, das im Kreis der sogenannten Becher-Schule facettenreich ­ausgearbeitet wurde und für Boris Becker einen wesentlichen Ausgangs­punkt für sein weiteres Schaffen mit dem Medium der Photographie darstellte. Architektur, Landschaft, Objekten und Still­leben gilt seither seine Aufmerksamkeit ebenso wie der komplexen Leitfrage nach der Wirklichkeit hinter dem visuell Wahrnehmbaren.

Ausstellung:
Die Photographische Sammlung/ SK Stiftung Kultur, Köln, und Saarlandmuseum – Moderne Galerie, Saarbrücken, 6/9/2019 – 9/2/2020