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Ein Parkdeck kann sich in der Regel zu einem klassischen Unort entwickeln, der neben seiner Nutzung als Parkraum keine weiteren Funktionen besitzt. Es braucht sicherlich etwas Zeit, bis es wahrzunehmen ist, doch lassen sich hier die Ortsnamen aller Bezirksstellen der KZVWL (Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe) als rätselhaftes Ornament entdecken. So entsteht nicht nur ein Raum für Identifikation, sondern der wenig einladende Ort wird zu einem Raum geheimnisvoller Schönheit. Andreas Karl Schulze hat viele kleine Quadrate auf die Betonflächen aufgetragen. Das Betrachten der heiteren, schimmernden Farbreihe wandelt sich in ein tastendes Entziffern der grob gepixelten Buchstaben. Das führt zum allmählichen Hervortreten von Ortsnamen, die sich dann als die Bezirksstellen der KZVWL entschlüsseln lassen. Doch ist hier nichts eindeutig. Da die Möglichkeit der flüssigen Lesba rkeit einer banal scheinenden Auflistung verwehrt ist, wandelt sich etwas Gewöhnliches in etwas Besonderes. Immer wieder kippt der Prozess des Erkennens ins Betrachten der tanzenden Quadrate. Diese andauernde Pendelbewegung macht die Erfahrung des Kunstwerks zu etwas Außergewöhnlichem, in dem die ästhetische Wahrnehmung und das Moment der Identifizierung zusammenfinden; setzt sich doch die KZVWL aus eben jenen namentlich an den Wänden festgehaltenen Bezirksstellen zusammen.
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Ich parke. Heute HRK. Übermorgen ÜNS. Warum nicht das nehmen und zusammenbringen was da ist? Das Parkdeck der KZVWL und die Liste ihrer Bezirksstellen. Dieses Ausgangsmaterial wird durch eine sehr einfache Neu-Rhythmisierung transformiert und lässt Profanes, Kryptisches, Geheimnisvolles und Poetisches aufscheinen. Und verweigert sich nicht der gleichzeitigen Option einer Entschlüsselung. Willkommen im Prozess der De- und Remontage, in freigestellten Bezugsfeldern. Oder: Das leichte Summen des Mehrwerts der Teile.
Günther Kebeck sagt: »… Aus Sehen wird Lesen. Da das einfache Lesen scheitert, wird aus dem Lesen wieder ein Sehen. Sie (die Buchstaben) neigen immer wieder dazu, in selbständige Farbfelder zu zerfallen. Obwohl Bestandteil einer Form, bewahren die Quadrate ihre Eigenständigkeit. Nicht nur die Buchstaben, auch die Quadrate werden als Figur gesehen. Er (der Betrachter) erlebt simultan kontinuierlichen Zerfall und Neukonstituierung einer Form. Er (der Blick) bewegt sich frei, wird unstet und springt; wechselt zwischen dem Gesamten und dem Einzelnen. An die Stelle des Verstehens tritt ein Betrachten. (…) Zweckgebundene Struktur vs sinnfreies Umherschweifen. All das fügt sich zu einer Ebene hoher Komplexität, der sich auch dauerhaft eine endgültige Lösung entzieht. Denken wird anschaulich und eine innere, emotionale Bewegtheit stellt sich ein. Dieser Wechsel geschieht unauffällig, fast beiläufig. Mehr nicht.«
AHA. Ich sage: »Ich parke. Pink neben Oliv. Dunkel-Türkis und Violett. Schwarz neben Grau und Rot. Morgen MMH. Vorgestern VEL. Ich parke.« AKS 2021