Stefanie Unruh: Works

Texte (dt./eng.) von Detlef Hoffmann, Rasmus Kleine, Karl Borromäus Murr, Sophie C. Opitz, Carla Schulz-Hofmann, Interview mit der Künstlerin von Stefanie Rosenthal
160 S. mit 126 farbigen Abbildungen
Format 27 x 20,5 cm, Softcover mit Schutzumschlag

ISBN 978-3-86442-329-1

29,80 €

Wie aus einem Trambahnhäuschen ein Ballsaal wird

In ihrem neuen Buch zieht Stefanie Unruh eine Art Zwischenbilanz ihres Schaffens in der Zeit von 2000 bis heute. Den Kern des Werks der Münchner Künstlerin hat Carla Schulz-Hoffmann folgendermaßen beschrieben: »In großen, thematisch zusammenhängenden Werkkomplexen beschäftigt sie sich mit einer klassischen Frage der künstlerischen Existenz, ihrer Stellung innerhalb ihrer jeweiligen Geschichte.« Unruh verhandelt demnach Fragen zur Identität, beschäftigt sich mit Spuren und Erinnerungen, mit alltäglichen Handlungen und Situationen, wobei sie aber die Wirklichkeit ins surreale Licht stellt. Ihre Auseinandersetzung mit den Mythen des Alltagslebens wird von ihrem Interesse an ­medialen Phänomenen nachhaltig mitbestimmt. So hat Stefanie Unruh 2005/2006 eine subtile Serie floraler schwarz-weiß gemusterter Tapeten so geschickt um gezeichnete Porträts ergänzt, dass einem erst bei genauerer Betrachtung die foto­grafischen Vorlagen wieder in den Sinn kommen: ­Mohammed Atta und seine Komplizen und das berühmte Bild des Turban tragenden Ramzi Binal­shibh, der derzeit in Guantanamo auf den für 2021 angekündigten Beginn seines Prozesses wegen Beteiligung an den Anschlägen von 9/11 wartet, tauchen aus einer Blumenranke auf. 2010 greift Stefanie Unruh die Verbindung des Floralen mit auf den Islamismus verweisenden Motiven in ebenso einfachen wie wirkungsvollen Tuschzeichnungen noch einmal auf: Aus dem lieblich Ornamen­talen, das mit dem islamischen Bilderverbot korres­- pondiert, taucht die »Uniform« Burka wie ein Fremd-körper auf, eine der Frauen hält zudem eine Pistole in der Hand. Die Zeichnung als wiederkehrender Ausgangspunkt des Schaffens von Stefanie Unruh markiert aber nur eine ihrer medialen Fähigkeiten – ebenso virtuos arbeitet sie mit Objekten und Videoinstallationen, mit denen sie ihren oftmals abgefragten Beitrag zu aktuellen Debatten um die Besetzungen öffentlicher Räume leistet. Dabei ver­­kehrt sie nicht selten deren formale Konnotationen: Aus einem repräsentativen Foyer wird eine dunkle Höhle, ein ehemaliges Trambahnhäuschen mutiert zum Ballsaal.