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Seit 10 Jahren sammelt Mille Kalsmose in ihrer installativen Arbeit »Collected Memory« im Stillen persönliche Reflexionen von Teilnehmern aus der ganzen Welt und fügt diese individuellen Gesten in ein stetig wachsendes Archiv, zu dem nun das Buch »Collected Memory« erscheint. In ihrer Installation aber »steht am Anfang das Empfinden, der Gedanke folgt ihm nach. Die Messingkonstruktion – sanft gewölbt und von monumentaler Größe – wirkt wie eine Mischung aus Architektur und Umarmung: warm in ihrer physischen Präsenz, offen in ihrer Geste, lädt sie auf eine stille, eindringliche Weise dazu ein, näher zu treten. Und man tritt tatsächlich näher. Der Blick wandert zu den dicht in Regalen untergebrachten farbigen Papierbogen, und doch sind es die Hände, die den Wahrnehmungsprozess vervollständigen wollen: einen einzelnen Bogen herausziehen, das leise Rascheln beim Entfalten hören, die feine Textur des Papiers spüren, während die Finger es glattstreichen. Sehen, Tasten und Bewegen fließen in einer einzigen, gelassenen Geste zusammen. Trotz ihrer monumentalen Ausmaße – mit mehr als viertausend Papierbogen, die in einem Segment des Regals ruhen – bleibt die Begegnung mit diesem Werk in ihrem Maßstab zutiefst menschlich«, schreibt Alexander Gottlob Linke. Die Arbeit besteht aus handgefärbten, gefalteten Papieren, die zu einem stetig wachsenden Archiv geteilter menschlicher Erfahrungen werden und Besucher*innen der Ausstellungen sind eingeladen, persönliche Gedanken zu Papier zu bringen, das Blatt zu falten und es eigenhändig in die skulpturale Struktur einzufügen. Mit der Zeit verdichten sich diese individuellen Beiträge zu einem kollektiven Ganzen. Formal knüpfen die Installationen an die Tradition der Archive, Bibliotheken und Wunderkammern an – bewahren sie doch behutsam das, was zerbrechlich ist. Zusammengenommen erklärt das, warum »Collected Memory« seit über zehn Jahren Bestand hat: nicht durch Spektakel, sondern durch die allmähliche Ansammlung individueller Vertrauensakte. Was sie verbindet, ist einfach – der Wunsch, gesehen zu werden, dazuzugehören und einen Teil von sich selbst in die Obhut anderer zu geben. Dass dieses Bedürfnis in einer so schlichten Geste Gestalt annimmt – ein Blatt Papier, eine Faltung, ein niedergeschriebenes und anderen anvertrautes Wort –, ist vielleicht das hervorstechendste Merkmal dieser Arbeit. Die Publikation begleitet die Ausstellung »Mille Kalsmose: A Life Building Survival Kits« – Mille Kalsmoses erste Einzelausstellung in Deutschland in der Kunsthalle Cloppenburg.
Ausstellung: 1/11/2026–31/1/2027
Kunsthalle Cloppenburg