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Zwischen Wirklichkeit und Traum – Otto Gleichmann und der Expressionismus in Hannover

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  • 2026
  • 256 Seiten
  • 26 x 22 cm
  • 140 farbige Abbildungen
  • Hardcover
  • ISBN: 978-3-86442-488-5
  • Ausgabe: Deutsch
  • Institution: Sprengel Museum Hannover
  • Herausgegeben von: Karin Orchard
  • Texte von: Claudia Andratschke, Katherina Herrmann, Nora Niefanger, Karin Orchard und Petra Wenzel, Vorwort von Reinhard Spieler
  • Gestaltung: Uli Schwinge, Randgruppe

Otto Gleichmann (1887–1963) zählt zur jüngeren Riege des deutschen Expressionismus und ist nach dem Ersten Weltkrieg in Hannover zugezogen, wo er bis zu seinem Tod lebte. Trotz vielerlei Erfolgen, vor allem in den 1910er- und -20er Jahren (1917 eine erste Ausstellung im Kestner-Museum Hannover), ist er heute nahezu vergessen. Seine Wirkung seinerzeit weit über das lokale Hannover hinaus, bietet die Gelegenheit das Werk eines bedeutenden Malers und Zeichners wieder zu entdecken. Als Mitglied der Hannoverschen Sezession erlebte er mit seinem Kreis äußerst fruchtbare und lebendige Jahre – Hannover war eines der deutschen Zentren der Avantgarde. In Gleichmanns Wohnung, dem »Montmartre von Hannover«, traf die lokale Künstlerschaft auf internationale Künstler*innen, u. a. waren Kandinsky, Klee, Schwitters, Jawlensky, Arp, Tzara, Lissitzky und Ozenfant bei Gleichmann und seiner Frau, der Künstlerin Lotte Gleichmann-Giese (1890–1975), zu Gast. So konnte Otto Gleichmann an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen deutschlandweit, zum Teil auch im Ausland, teilnehmen und hat dort gut verkauft. Namhafte Galeristen wie Flechtheim, Nierendorf, Garvens und Schames zeigten ihn regelmäßig. Eine lebenslange Freundschaft verband ihn mit dem Düsseldorfer Arzt, Sammler und Galeristen Hans Koch. 1932 richtete ihm die Kestner Gesellschaft eine große Schau aus. Otto Gleichmanns Werk wird ist humanistischem Pathos getragen, seine spürbare Sensibilität gilt seinem Thema: dem Menschen. Stilisierte, unverwechselbare Gesichter mit weit aufgerissenen Augen stehen für die unmittelbar erlebten Schrecknisse des Ersten Weltkrieges. Die Gestalten durchstreifen dicht gedrängte Stadtlandschaften, vergnügen sich in Varietés oder im Zirkus. Sein Repertoire konzentrierte sich sein Leben lang auf Figurenbilder mit vielfältigen Konstellationen, sodass sich stilistische Entwicklungen einzelner Motive in einem fast 50jährigen Schaffensprozess hervorragend verfolgen lassen: von der dunklen, leidenden Kreatur der expressiven Phase hin zu einer gelösten, in sich ruhenden Verinnerlichung ab Mitte der 1920er Jahre, abgelöst von einem aufgehellten, lyrischen, nervösen Duktus im Spätwerk. In der Zeit des Nationalsozialismus war Otto Gleichmann weiterhin als Kunstlehrer im Schuldienst tätig und sah sich daher 1933 zu einem NSDAP-Beitritt genötigt. 1936 wurde dennoch gegen ihn ein Ausstellungsverbot verhängt, 1937 seine Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und in der Ausstellung »Entartete Kunst« verächtlich gemacht. Darunter litt er, zog sich aber in eine innere Welt zurück und arbeitete weiter, ohne die Werke zu datieren. Ausstellung und Buch gelten einer Retrospektive mit 114 Werken aus allen Schaffensperioden, zudem wird erstmals auch das Werk seiner Frau Lotte Gleichmann-Giese mit 13 Werken präsentiert.

Ausstellung:
1/8–1/11/2026, Sprengel Museum Hannover

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