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Kat. Kunsthalle Vogelmann / Städtische Museen Heilbronn
Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur 2026
hrsg. von Marc Gundel mit Rita E. Täuber
Texte (dt./eng.) von Sven Beckstette, Doreen Mende, Carsten Probst, Vorwort von Marc Gundel, Texte1inleger von Rita E. Täuber
160 S. mit 120 farb. Abb., Format 28 x 21 cm, Hardcover
»Mein erstes Anliegen war es, dass es hier weh tun muss, im Westen«, sagt die in Berlin lebende Künstlerin Andrea Pichl (*1964 Haldesleben), am 28. April 2026 im SWR Radio Kultur, anlässlich der Verleihung des Ernst Franz Vogelmann-Preises für Skulptur 2026. Erstmals geht die renommierte Auszeichnung damit an eine Künstlerin, die in der DDR geboren und aufgewachsen ist. Andrea Pichl ist eine konzeptuelle Bildhauerin, d. h. sie recherchiert, dokumentiert und rekonstruiert, um in ihren Installationen architektonische Formelemente, Objekte, Alltagsgegenstände, Fotografien und Zeichnungen zu kombinieren. So eröffnet sie ein Feld sich überlagernder Geschichts- und Bedeutungsebenen, für die ihre biografische Prägung die Folie bildet. Ihr Interesse richtet sich insbesondere auf gebaute Umwelt, also Architekturen und standardisierte Bauformen, in die sich politische, soziale und historische Prozesse eingeschrieben haben. Das im Buch ausführlich dokumentierte Ausstellungsprojekt anlässlich des Ernst Franz Vogelmann-Preises fokussiert das »kleine Glück«, das mit DDR-Gartenlauben, NS-Behelfsheimen und aktuellen Laubenhäuschen aus dem Baumarkt als »Ausstellungsräume in der Ausstellung« inszeniert und mit Buntstiftzeichnungen, Fotografien und Objekten innerdeutschen Warenverkehrs ausgestattet ist. Bis 1989 gab es einen eifrigen, wechselseitigen Transfer von Kapital, Waren und Dienstleistungen zwischen den beiden deutschen Staaten. Die daraus resultierende gegenseitige Abhängigkeit rückt Andrea Pichl mit harmlosen, »idyllischen« Landschaftsfotografien von Giftmülldeponien rund um Berlin ebenso ins rechte Licht wie die unter Zwang drangsalierte Produktion von Konsum- und Luxusgütern in DDR-Betrieben für westdeutsche Versandhausriesen. Dafür gründeten staatliche Stellen in der DDR die KoKo (Kommerzielle Koordinierung), für die Alexander Schalck-Golodkowski von 1966–1989 ein perfides Ausbeutungs- und Devisenbeschaffungssystem perfektionierte, immer im Wissen seiner westdeutschen »Handels«- und politischen Partner. Oder wie es Sven Beckstette in seiner Laudatio »… überspitzt«, formulierte, »Wohlstand made in GDR. Der Ausstellungstitel ›deutsch deutsch‹ ohne Bindestrich betont nicht die politische Trennung, sondern die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Staaten. Nach dem Fall der Mauer wurden dann neue Billiglohnländer gesucht und gefunden. Dies zeigt uns ein Blick in den eigenen Kleiderschrank.«
Ausstellung:
Kunsthalle Vogelmann / Städtische Museen Heilbronn, 25/4 – 6/9/2026

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